Stille Nacht
Heilige Nacht

Joseph Mohr
200 Jahre

Das Projekt

Die 7E bei der Ausstellung ihrer Präsentationen.

Die Welt um 1800

Die Spur der Verwüstung eines der ersten modernen Kriege mit ziviler Beteiligung zog sich auch durch Salzburg, das bis 1816 insgesamt fünf Herrscherwechsel erlebt hatte. Salzburg war lange Pfand zwischen Bayern und Österreich gewesen, allerdings bis 1803 ein souveräner geistlicher Staat und zuletzt ein Spielball der Macht.

1818 war das nunmehrige Kronland der Habsburgermonarchie finanziell und sozial am Rande des Zusammenbruchs angelangt. Zusätzlich zu den zahlreichen Schlachten auf dem Boden des heutigen österreichischen Bundeslandes und den Plünderungen durch die Soldaten hatte sich seit 1815 das Klima nicht zum Positiven verändert. Durch einen Vulkanausbruch am anderen Ende der Welt und der Verteilung von Staubpartikeln in der gesamten Atmosphäre war die Anzahl der Sonnenstunden in ganz Mitteleuropa dramatisch gesunken. Armut, Hunger und politische Instabilität begleiteten die Entstehung eines der bekanntesten Weihnachtslieder.

Armut im 19. Jahrhundert

Das Verständnis von Armut

Anhand der Quelle „Unterthänigstes Gutachten“ kann man erkennen, dass Armut meist als selbstverschuldet angesehen wurde.

Deshalb sollten die Armen arbeiten, um ihre vermeintlichen Schulden zu begleichen.

Indem der Verfasser alle zur Arbeit aufforderte, hielt er die Gruppe derer, die nicht arbeitsfähig waren und Unterstützung benötigten möglichst klein.

All diese Maßnahmen halfen zwar Geld zu sparen, waren aber für den einzelnen Menschen hauptsächlich negativ, da sie sie nicht von ihrer Armut befreiten.

Ländliche Familie 1817, Ausschnitt aus der Bleistiftzeichnung von Julius Schnorr von Carolsfeld: Blick vom Mönchsberg auf dem Hohen Göll. Aus: Heinrich Schwarz, Salzburg und das Salzkammergut, Wien 1926, S. 58

„Man suche vorzügl[ich] Einheimischen mehr Antheil an öffentl[ichen] Arbeiten zu verschaffen; beschränken die Freyzügigkeit fremder, ausländischer Handwerker u[nd] Bettler. Man nöthige dienstfähige ledige Manns- und Weibs=Personen in Dienste zu tretten, bewillige ihnen nicht so leicht den Ankauf von halben Häusln, worauf sie ihre ersparten Kreuzer hergeben, dann einige Zeit in Taglohn, die andere Zeit in Bettel gehen müssen, oder gar heurathen, u[nd] noch Familie hinterlassen. Man […] handhabe die bestehennden Dienstbotenordnungen, und […] gestatte den unehel[ichen] Müttern nicht halbe und ganze Jahre lang dienstlos zu seyn.“

Aus: SLA, HS 48 (Unterthänigstes Gutachten das Land=Almosen Weesen Betr[effend], undat. [1772-73]

„Stille Nacht“ geht um die Welt

„Stille Nacht“ – ein Tiroler Lied?

Aufgrund der Weiterverbreitung durch die Tiroler Sängerfamilien Strasser und Rainer galt das Lied „Stille Nacht“ lange als Tiroler Lied. Dass dies nicht der Wahrheit entsprach, stellte der Melodiekomponist Franz Xaver Gruber im Text „Authentische Veranlassung“ (1854) richtig. Er informierte in der Klarstellung über die wahre Herkunft („Pfarr St. Nikola in Oberndorf“) und setzte die Menschen darüber in Kenntnis, wer die ursprünglichen Urheber des Liedes waren. Außerdem erwähnte er den mitschaffenden Hilfspriester Joseph Mohr, der für den Liedtext verantwortlich war.

„Es war am 24t Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hülfspriester Herr Josef Mohr bei der neu errichteten Pfarr St. Nicola in Oberndorf dem Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich auch Schullehrer in Arnsdorf) ein Gedicht überreichte, mit dem ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solostimmen sammt Chor und für eine Guitarre-Begleitung schreiben zu wollen.“

Auszug aus: Authentische Veranlassung, Franz Xaver Gruber 1854

Titelblatt eines Dresdner Druckes 1830; dargestellt sind Geschwister Strasser aus dem Zillertal, „Stille Nacht“ wird als „Tyrolerlied“ bezeichnet

Joseph Mohrs Leiche

Joseph Mohrs Schädel

Mohr starb 1848 in Wagrain, wo sich auch sein Grab befindet. Allerdings grub man seine Leiche 70 Jahre später wieder aus.

Der Grund: Es sollte ein Relief, also eine Art dreidimensionales Bild, von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber angefertigt werden.

Danach wurde Mohrs Leiche jedoch nicht wieder eingegraben. Seinen Kopf brachte man nach Oberndorf und mauerte ihn im Neubau einer Kapelle ein. Den restlichen Körper gab man wieder in sein Grab in Wagrain.

Grab von Joseph Mohr. Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Wagrain_(Friedhof-Grab_von_Joseph_Mohr).jpg

Die Mythen um Stille Nacht

Obwohl „Stille Nacht“ ein weltweit bekanntes Weihnachtslied ist, ist fast nichts über seinen Textdichter bekannt. Sein Name ist der Nachwelt überliefert, da er auf den Notenblättern steht. Er war das uneheliches Kind einer Strickerin und eines desertierten Musketiers, das bedeutet ein dem Militärdienst entflohener, mit einem Gewehr bewaffneter Soldat. Bildung wurde ihm nur durch Domvikar Johann Nepomuk Hiernle ermöglicht, der Talent in ihm sah. Als Pfarrer lernte er seinen Freund Franz Xaver Gruber kennen, der die Melodie für „Stille Nacht“ komponierte. Aufgeführt wurde es zum ersten Mal 1818 am Heiligen Abend, gesungen von Mohr und Gruber mit einer Gitarre als Begleitung.

Dazu gibt es mehrere Legenden, etwa eine Maus, die die Kirchenorgel anknabberte. Es existieren allerdings auch düstere Mythen, beispielsweise wird in Bayern erzählt, dass jedes Mal, wenn das Lied nicht am 24. Dezember, sondern an einem anderen Tag gesungen wird, ein Mensch stirbt.

1816 - Das Jahr ohne Sommer

Rückseite Hungermedaille 1816/17, Salzburg Geschichte Kultur (http://salzburg-geschichte-kultur.at/hungermedaille/), 05.11.2018.

Die Salzburger Hungermedaille

Bei der sogenannten Hungermedaille handelt es sich um eine aus Silber geformte, doppelseitig geprägte Gedenkmedaille religiösen Ursprungs. Der bayrische Künstler Johann Thomas Stetten hatte sie zwischen 1816 und 1817 angefertigt. Gegenwärtig befindet sich das Kunstwerk im Rahmen einer Ausstellung im Salzburg Museum. Die Silbermedaille hat einen Durchmesser von 33 mm und ein Gewicht von 13,46g.

Interpretation

Die Medaille griff die Probleme der damaligen Zeit auf. Die Waage auf der Vorderseite verbildlicht die Preiserhöhung, indem die Kosten für Brot und Bier abgebildet wurden. Wenn man die Preise mit jenen von heute vergleicht, würde ein Maß Bier 2,125 Euro kosten und ein halbes Kilo Brot 3 Euro. Das scheint zunächst nicht viel zu sein. Im Vergleich dazu betrug das Monatsgehalt eines Volksschullehrers nur 160 Euro.

Die Wolken und die Umschrift könnten auf eine göttliche Verbindung hinweisen. Die Menschen glaubten, Gott hätte sie verlassen, sie einer Prüfung unterzogen oder ihnen eine Strafe auferlegt. Die Rückseite veranschaulicht nochmal die große Hungersnot, die das Land plagte.

 

AutorInnen:

Clara Bauchinger
Gregor Dohle
Katharina Nowak
Antonia Porsche

Literatur und Quellen:

Salzburg Geschichte Kultur (http://salzburg-geschichte-kultur.at/hungermedaille/), 05.11.2018.

Die Schande der unehelichen Geburt

Eintragungen unehelicher Kinder in Taufbüchern

Im 18. Jahrhundert schrieben die Pfarrgemeinden die unehelichen Kinder am Ende der Taufbücher getrennt auf. Heutzutage kann man das nutzen, um die Bevölkerungsveränderungen besser zu erkennen. Damals hat man das gemacht, weil uneheliche Kinder als Außenseiter angesehen wurden und nicht in das kirchliche Bild passten.

Quellenbeschreibung: Joseph Mohr: Der Eintrag der Taufe 1792 des „Josephus Franciscus“ Mohr mit seinem Vater Franz Moor (!) und seiner Mutter Anna Schoiberin im Taufbuch der Dompfarre, erste Zeile
Aus: Presseaussendung Stille Nacht Gesellschaft am 7. Dezember 2017
Fotograf: Michael Neureiter

 

Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass das Kind in weiterer Folge in ein Waisenhaus kam. Aus der Quelle lässt sich ableiten, dass Joseph Mohr, der ja selbst ein uneheliches Kind war, dieses Urteil nicht deswegen fällte, weil er eine uneheliche Geburt es für schändlich hielt. Er beurteilte Kritzl wirklich als unfähige Mutter. Generell setzte sich Mohr wegen seiner eigenen Biografie für uneheliche Kinder ein und wollte wohl deswegen das Beste für das Kind. Er versuchte, das Kind vor seiner Mutter zu schützen und die einzige Möglichkeit dafür war, es ihr wegzunehmen.

 

Autorinnen:

Hannah Jeßner
Silvia Bonazza
Arianna Martignoni